Brot und Spiele

Kunst-kaufen

Wer hat das nicht schonmal erlebt? Projekt – künstlerisch interessant, vielleicht sogar ein Türöffner für weitere Jobs. Die Gage: mehr eine Aufwandsentschädigung als ein ernstzunehmendes Honorar – im Grunde eine Zumutung.

Was nun?  Diese Frage muss letztlich immer neu und je nach konkreter Situation anders beantwortet werden. Ist das Projekt meinem Karriereverlauf förderlich? Welche Bedürfnisse und Notwendigkeiten wollen in meiner aktuellen Lebenssituation berücksichtigt sein? Geht in der Vielfalt der Möglichkeiten eine Mischkalkulation auf? Und auch ganz wichtig: Welchen Wert messe ich selbst der eigenen Arbeitsleistung bei?  Reicht mir der Applaus des Publikums oder sollte die Anerkennung meiner künstlerischen Leistung zwingend in Euro umzurechnen sein?

In ihrem Referat aus dem Jahr 2013 zum Thema »Wertschätzung von Kunst« konstatiert die Schweizer Sopranistin und art-but-fair Aktivistin Julia Schiwowa, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass Kunst echte! Arbeit ist, und zeigt  die Gefahren der sogenannten guten Möglichkeiten auf:

»Diese gute Möglichkeit: Wir bieten eine Plattform. Bei uns erhaltet ihr die Möglichkeit, euch vor Publikum zu profilieren. Sie begleitet uns auf Schritt und Tritt, die ›gute Möglichkeit‹. Das schlimme an der guten Möglichkeit ist, dass wir uns längst an sie gewöhnt haben. Wir merken gar nicht mehr, welcher Abgrund sich dahinter verbirgt. Es ist die salonfähig gewordene Entschuldigung, Künstler zu schlechten Bedingungen zu engagieren und sich damit auch noch als Wohltäter hinzustellen […]. Das zweitschlimmste dabei ist, dass die besagten Leute es oft selber gar nicht merken. So weit ist der Wertschätzungs-Zerfall vorangeschritten. Das allerschlimmste aber ist, dass es die Künstler selber nicht mehr merken. Sie glauben daran. Und machen mit.

Dass man dankbar sein soll für die gute Möglichkeit, das lernt man bereits an vielen Hochschulen und das bestätigt dann auch die Realität. ›Du darfst mitmachen‹. Man könnte auch etwas anderes lernen an den Hochschulen. Zum Beispiel: ›Was ist der Wert von Kunst? Wie vermittle ich den Wert künstlerischer Arbeit? Wie entwickle ich eine Haltung zu meinem Beruf, die die Wert-Schätzung von Kunst fördert?‹.

Mittlerweile hat sich die gute Möglichkeit verselbständigt. Sie ist sogar System geworden. Anerkannte Theaterhäuser benutzen sie systematisch, um Kunst billig zu produzieren. Wie selbstverständlich diese systematisierte ›Umwertung von unbezahlter Arbeit‹ angewandt wird, um Kunst zu produzieren.« (http://artbutfair.org/texte/)

Was viel zu oft vergessen wird: Kunst hat eine gesellschaftliche  und auch volkswirschaftliche Relevanz. Sie stiftet kulturelle Identität. Und sie tut gut.  Künstlerinnen und Künstler müssen  für ihre Arbeit fair bezahlt werden. Art-but-fair setzt sich dafür ein, Standards zu etablieren, an denen sich Künstler und auch Veranstalter orientieren können. Für ein faires Miteinander. Für mehr (Selbst)Bewusstsein. Für mehr Wertschätzung.

Ich halte das für ein ungemein wichtiges Projekt. Mehr dazu hier: www.artbutfair.org

Anschauen und mitmachen.

 

Themen im Blog