Mai 8, 2022

Achtung Ansprache!! 

Heute ist Muttertag. Ein guter Tag, sich Gedanken zu machen: über Frauen, Mütter, Familie und – Beruf.

Mir sind in den letzten Tagen viele nachdenkliche Artikel begegnet und alle hatten eine Botschaft: Immer noch bedeutet Mutterschaft für Frauen ein signifikantes Risiko für Karrierebrüche, finanzielle Abhänigkeit und drohende Altersarmut. Das gilt natürlich auch für Musikerinnen.

Wenn Kinder kommen, sind es nach wie vor eher Frauen als Männer, die in ihrer Erwerbstätigkeit zurückstecken. Nicht selten mit verheerenden finanziellen Folgen im Fall von Trennung oder Krankheit und Tod. (Übrigens wird in Deutschland jede 3. Ehe geschieden …)

Es ist erschreckend, sich mit den Zahlen auseinanderzusetzen. Laut der ZEIT ist im Mikrozensus nachzulesen, dass knapp 70% der verheirateten Mütter mit Kindern weniger als 2.000 € netto verdienen und im Durchschnitt 39% weniger Rente beziehen als Männer. Die Elternzeit wird durchschnittlich von Frauen für 14,7 Monate, von Männern für 3,7 Monate in Anspruch genommen. Mütter jüngerer Kinder arbeiten in Deutschland doppelt so häufig Teilzeit wie im EU-Durchschnitt. (destatis) Frauen erhalten durchschnittlich um die € 800!!! Rente.

Mannomann!

Wir sind noch lange nicht da, wo wir gerne wären.

Wenn ich erinnere, dass ich schon während meines Studiums (das war vor 30 Jahren!) über Gerechtigkeit bei der Aufteilung von Familienarbeit, über die gender-paygap, über gläserne Decken heiß diskutiert habe und bis heute feststellen muss, dass meine Studentinnen an den Musikhochschulen immer noch extakt die gleichen Themen diskutieren, dann kriege ich – gelinde gesagt – echt einen Hals.

Aber gut. Aufregen hilft nix.

Was hilft, ist Aufklärung:

Ich möchte alle Frauen und auch alle Männer ermutigen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

  • Frauen und Mädels, fangt HEUTE an, die Verantwortung für eure Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen. Verschiebt dieses wichtige Thema nicht auf später, nicht auf Papa, nicht auf den Partner. Legt die Karten auf den Tisch, wenn die gemeinsame Zukunft geplant wird. Finanzen sind keine Raketenwissenschaften, kann man alles lernen. Z. B. hier bei Madame Moneypenny, deren Arbeit und Mission ich großartig finde.
  • Macht euch früh Gedanken und redet offen mit euren Lebenspartner*innen über Vermögensaufbau, Altersversorgung, Absicherung. Und vor allem auch darüber, was passieren soll, wenn Kinder kommen. Und was geregelt sein soll, falls das Leben nicht so laufen sollte, wie es schön wäre. Lernt voneinander und miteinander.
  • Lernt, bewusst und souverän mit Geld umzugehen.
  • Lernt verhandeln. Über Gagen, Arbeitsbedingungen, Entwicklungschancen, Ausgleich für unbezahlte Arbeit. In allen Lebensbereichen.
  • Setzt euch mit dem Wert eurer Arbeit auseinander. Reflektiert zuerst, für wie wertvoll ihr selbst eure Leistungen haltet. Und gleicht dann mal mit der Realität ab. Wertschätzt eure Kompetenzen und Talente. Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel.
  • Hinterfragt eure Rollenbilder, eure (romantischen?) Vorstellungen und Bedürfnisse. Seid euren Töchtern und Söhnen gute Vorbilder.
  • Arbeitet am Money-Mindset. Das ist oft nicht lustig. Ich weiß, wovon ich rede. Es bringt aber enorm viel fürs Selbstbewusstsein und für die Selbstermächtigung.
  • Habt keine Angst vor der KSK und vorm Finanzamt. Wie oft höre ich in Coachings: „Ach ich weiß, muss ich mich drum kümmern, aber ich hab irgendwie Angst davor…“. Es ist nicht WIRKLICH schwierig. Und wie oft verhindert diese „Leiche im Keller“ wichtige Schritte zu mehr Einkommen und Professionalisierung.

Seht zu, dass ihr unabhängig seid und bleibt. 

Dann schöpft aus dem Vollen. 🙂

Unsere Mütter sind unsere ersten Rolemdels. Was hat deine Mutter dir mitgegeben zum Thema finanzielle Unabhängigkeit?